Vor ein paar Stunden habe ich also meinen neuen Wohnort erreicht und finde, ich hab es wirklich gut getroffen. Leiria ist ein schmuckes Städtchen mit Historie in einer wahnsinnig schönen grünen und hügeligen Region. Viel hab ich noch nicht gesehen, da ich bissl müde bin von Lissabon, aber zur Besichtigung hab ich ja genug Zeit.
Nach meinem Aufbruch bei Familie Tavares tingelte ich erstmal schön gemütlich entlang der algarvischen Küste und probierte die diversen Strände, Campingplätze und Pratos do Dia (=Mittagstisch) aus.
Doch schon bald stellte ich fest, dass alleine zu reisen vielleicht für 2 Tage gut ist -also zumindest für mich. Danach begann ich, mich einsam zu fühlen. Ich denke, die vergangenen 10 Tage waren so etwas wie eine Pilgerreise für mich; nur leider bin ich nicht so der Pilgertyp. Man beginnt, sich über die seltsamsten Dinge Gedanken zu machen, führt Gespräche mit dem Campingkocher, dem Radio und jedem fremden Menschen, der einem ansprechbar vorkommt (- also etwas, was man bei Mütterns immer etwas wunderlich findet -sorry, Mama!).
Große (?)...lange Gedanken machte ich mir dann beispielsweise über den Umstand, dass am ehemaligen Ende der Welt, dem Cabo São Vicente (=Ecke von Portugal), sich anscheinend an jedem Abend sämtliche Touristen aus einem Umkreis von 100 km einfinden, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Ist ja auch wirklich hübsch. Der Leuchtturm, die Klippen, die Möven.... 250 andere Menschen, Pommes/Churrosbuden und eine Sonne wie sonst auch überall. Wie im Kino! Und als der rote Ball schließlich ins Meer plumpst klatschen einige. Langer Rede kurzer Sinn, ich habe mir auf jeden Fall daraufhin ca. 2 Tage den Kopf darüber zerbrochen, warum Menschen sich überhaupt immer wieder Sonnenuntergänge am Meer anschauen wollen!? Ich will euch nun nicht mit meinem ganzen Stream of Conciousness langweilen und zu einer Lösung bin ich sowieso nicht gekommen (aber wenn jemand eine parat hat, kann er mir die gerne mailen.). Es kann nämlich nicht nur das schöne Licht sein. Ich vermute noch Allmachtsphantasien dahinter, denn wenn die Sonne untergeht ist sie winzig klein und man hat das Gefühl, man kann sie mit dem kleinen Finger vollends ins Meer schnipsen; oder aber man will wirklich sicher gehen, dass die Erde eine Scheibe ist und die Sonne nur für uns scheint oder oder oder...Wie gesagt, den Rest erspar ich uns!

 |
| Korkeiche |
Nichtsdestotrotz ist die Natur vor allem an der Küste des Alentejo herrlich. Ziemlich schroff, steil mit skurrilen Felsen und perfekt in einem Piratenfilm vorzustellen. Nachdem ich dann also eh allein war, zog ich die Natur (Lagunen, Klippen, alte Schlossruinen (zählt das zu Natur?)) der Stadt vor und hielt mich nur wenn nötig in größeren Orten auf. Dort verfährt man sich eh nur (ohne GPS), da es keine guten Straßenschilder gibt. Weiterer Nachteil des Alleinreisens ist also, das Navigieren. Aber da konnte ich dann ganz prima nachempfinden, wie sich die portugiesischen Seefahrerhelden, denen mit abertausend Denkmälern hierzulande gehuldigt wird - das waren Zeiten!-, gefühlt haben müssen. Und da Not ja erfinderisch macht, bin ich nun ganz gut im Straßenschilder-im-Rückspiegel-Lesen. Denn oft gibt’s nur auf einer Straßenseite Beschilderungen - fies, aber herausfordernd. Meinen Tiefpunkt in Sachen Orientierung hatte ich dann am Freitag, als ich auf der Halbinsel von Setúbal feststellen musste, dass ich so langsam in die Nähe von Lissabon komme, die Städte also immer größer und unübersichtlicher werden und ich irgendwie so gar nicht mehr klar kam. Kurzerhand flüchtete ich aus Setúbal an den Strand und in den Nationalpark Arrabida, wo sich innerhalb kürzester Zeit rote Klippen und dichte Pinienwälder auf 500m heben. Ein sehr friedliches Fleckchen Erde.

Im Windschatten der Metropole merkt man dann schließlich auch Unterschiede in der Strandgestaltung. Dort gibt es einen Strand für Familien, einen für Homosexuelle, einen für Raucher, für Singles, für Pärchen....alles. Voller Vorfreude besah ich am Samstagabend dann erstma aus sicherer Entfernung Lissabon von der Christusstatue in Cacalha aus -einmal quer rüber über den Tejo. Und am Sonntag gings dann auch endlich via Golden Gate Bridge no.2 (Ponta da 25 Abril) rein in die City. Ein komfortables, neues Hostel in einer alten Villa (sehr zu empfehlen! → GO Hostel) war meine Unterkunft. Tja, und die letzten Tage habe ich dann also relaxtes Sightseeing in Lisboa betrieben (Näheres siehe Dumont bzw. komme vorbei), liebe und verrückte Menschen kennen gelernt und mich auf das kommende Jahr gefreut!
 |
| In einer alten Mühle |
Ab Montag werd ich dann die Escuola unsicher machen-hihi.
 |
| Meine einsame Hütte |
 |
| Sicht auf Lisboa |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen