Montag, 9. Juli 2012

Despedida...Adeus Portugal!

Uff, ich bin -mal wieder- schockiert und beeindruckt, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man nur Dinge macht, die unterhaltsam, anders, neu, schön sind. Es kommt mir vor, als wäre ich gestern hier angekommen und dann schau ich auf die Uhr und stelle fest, dass ich in genau 48 Stunden wieder auf deutschem Boden sein werde. Dauerhaft. Vermutlich. Komisches Gefühl.
Yeah-Schulflagge ESFRL
Verabschiedung durch die Direktorin
Den Abschied von der Schule und den Kollegen hab ich bereits am 15. Juni mit einem wunderbaren Abschiedsdinner und Tränen hinter mich gebracht. Es war wirklich sehr beruhigend und schön für mich zu hören, dass alle mit meiner Arbeit sehr zufrieden waren und mich gerne wiedersehen würden. Auf all die lieben Einladungen werde ich sicher zurückkommen - vocês não preocupam ;-) Großartig war, dass Anne mich in den letzten Schultagen hier besuchen kam und mir fleißig beim Lebkuchenherzenbacken geholfen hat. Danach sind wir dann auch gleich in unseren Urlaub abgedüst. Da das Wetter nich so war wie erhofft, ließen wir uns so ein bisschen von unserer Intuition und Lust und Laune leiten. Zunächst ging es an einen meiner Lieblingsorte hier in Portugal: Monsanto im Serra Estrela. In der Nähe dort fanden wir auch ein schönes Seeplätzchen zum Wildcampen. Dann weiter ins spanische Tübingen - Salamanca. Eine tolle Stadt, die für uns aber leider ein bissl durch die Touri-ausnehm-Geldgier der Spanier überschattet wurde. Da leider auch die versprochenene Campingplätze nich auffindbar waren, verzogen wir uns genervt ins Spanisch-Portugiesische Hinterland und wurden prompt mit einem paradiesischen Örtchen entschädigt, dessen Name ich euch gerne mal unter vier Augen als Geheimtipp anvertraue, aber nich hier im Internet rausposaunen werde :-D Dort konnten wir auch endlich unserer Wanderslust nachkommen, Natur genießen, baden und Mückenstiche sammeln. Von dort aus war es dann ein Katzensprung in den hochgelobten Gerês-Nationalpark, der für uns aber leider nur Regen und geschlossene Campingplätze bereithielt. So ungefähr ging dann unsere Reise kontinuierlich weiter: Enttäuschung-Entschädigung-Enttäuschung usw. Es war aber dennoch eine tolle Reise an verwunschene und unberührte Orte und ein weiteres Kapitel in unserer langjährigen Travelmate-Geschichte. Danke Anne! Hier ein paar Foti:




wunderbarer Sonnenuntergang in P.d.S. (Geheimtipp! :-) )
Störche im spanischen Nirgendwo
Wilder Lavendel in der Sierra da Francia








Liva und ich Nos Filipes
Nach dieser (auch geld-) aufwendigen Reiserei wollte ich eigentlich noch meine begonnen Pilgerreise nach Santiago beenden, aber dummerweise verletzte ich mir zwei Tage vor dem Abmarsch meinen Fuß. Ich nehme an, es war ein Wink des Schicksals, dass ich die letzten Tage lieber hier in Leiria verbringen soll und irgendwann wiederkehren soll, um die begonnene Wanderung zu beenden. Darum genoss ich noch die gemeinsame Zeit mit der besten Mitbewohnerin aller Zeiten und engsten "Leidensgenossin", Liva, treffe mich fast täglich mit Kollegen, gehe an den Strand und mache mir Gedanken um die beste Kofferpacktechnik. 

Mein Jahr hier in Portugal ist jetzt zu Ende und ich bereue nichts! Es war eine gute Entscheidung hierher zu kommen, auch wenn mich dieser Auslandsaufenthalt um ein Studienjahr zurückwirft. Ich habe im Gegenzug unbezahlbare Erfahrungen gemacht, Freizeit und Freiheit genossen, neue Freunde gewonnen, Dinge gemacht, für die sonst nie Zeit war, eine neue Sprache gelernt (naja, so halbwegs zumindest) und ein wunderschönes Land kennenlernen dürfen. Ich werde sehr vieles vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin, aber freue mich auch schon wie bolle auf euch alle!!!
Tja, mein Abenteuer geht hier wohl zu Ende... 
Até logo e Um forte abraco

Fischerboot in Praia da Vieira
Sonntagessen: Sardinhas Assadas frisch ausm Meer!
Eure Mirjam (wahlweise auch Maria oder Catharina :-) )

Samstag, 14. April 2012

Was gibt' s denn da zu gucken?


Willkommen in Portugal
Hoffentlich hattet ihr alle ein schönes Osterfest mit lecker Essen, lieben Menschen und vielleicht ein paar Ferientagen! Ich hatte vor Ostern zwei Wochen Schulferien, in denen ich den ersten „Besucheransturm“ bewältigte. Erst war Alex für eine viel zu kurze Woche hier und wir haben zum ersten Mal unsere Geburtstage am Strand gefeiert und im fliegenden Wechsel flogen dann in der zweiten Woche meine Eltern hier ein (irgendwas stimmt nicht in dem Satz, aber ich komm nicht drauf was und ihr wisst ja, was ich meine, não?). Zu viert waren wir in Lissabon in einem sehr schicken Fado-Restaurant mit wirklich guten, authentischen Fadomusikern. (Für die, die jetzt gerne Wikipedia öffnen würden, um nachzulesen, was genau Fado ist, hier ein Link, der in diesem Fall wohl besser geeignet ist: http://www.youtube.com/watch?v=1YriVM8sC7M). Mit den Eltern hab ich dann noch ein bisschen Sintra und den Norden Portugals unsicher gemacht, aber die Einzelheiten dieser schönen Reise sind bei den Beteiligten selbst zu erfragen. Heute wollte ich nämlich etwas ganz anderes machen. Eine Art Reiseführer über meine neue Zweitheimat für all jene, die mich besuchen werden zur Vorbereitung, für die, die noch unentschlossen sind als kleiner Schubser in die richtige Richtung, und für die, die leider nicht nach Portugal kommen können zur besseren Vorstellung, was es hier denn überhaupt zu sehen gibt.
Ursprung des Lís

Beginnen wir unsere Reise also in meinem Wohnort. Leiria. Ein kleines Städtchen im Zentrum Portugals mit ungewisser Einwohnerzahl, aber mit allem, was man so zum Leben braucht. Einer Praca mit Cafés und Bars, einer Kathedrale ohne Glockenturm, dieser steht nämlich am Eingang zur Burg, ganz nebenbei bemerkt die in meinen Augen perfekteste Burgruine Portugals, einem EM-Stadion (steht zum Verkauf - hat jemand Interesse?) einem Flüsschen (eigentlich sind's der Balance wegen zwei: Lís und Lena - Yin und Yang sozusagen) mit Promenade, einem hässlichen Monster- Shoppingcenter und der wichtigsten Institution überhaupt: einem Busbahnhof!
Denn obwohl Leiria ungefähr so bedeutend ist wie Anweiler in der Pfalz, kennt fast jeder Portugiese unsere Cidade, dank der wirklich zentralen Lage im Land. Mehr oder weniger auf halber Strecke zwischen Porto und Lissabon, sowie in unmittelbarer Nähe einiger sehr bedeutender Orte (siehe unten) ist Leiria der ideale Ausgangspunkt für eine Komplett-Erkundung Portugals! (Das könnt jetzt wirklich in 'nem Reiseführer stehen, gell? :-) )

Praia de Baleal
Mosteiro de Batalha
Im Umkreis von ca. 30 km können wir viele schöne Ausflüge unternehmen, die jeden Geschmack ansprechen. Zunächst stehen für die Sonnenanbeter und Atlantikfans mehrere Strände zur Verfügung. Als Hausstrand (und laut echtem Reiseführer ein Geheimtipp...aha) könnte man wohl am ehesten São Pedro de Moel bezeichnen. Ein kleiner Sandstrand mit wenig Surfern, typisch portugiesischer Steilküste und einem niedlichen Ort mit seltsamen „Schwarzwaldhäusern“. Etwas südlicher kommen wir nach Nazaré. Dort gibt eine sehr hohe Klippe mit Leuchtturm, an die riesige Wellen klatschen. Hier am Nordstrand von Nazaré fand letzten November auch der unglaubliche Weltrekordsurf (30 m Welle) von Garrett McNamara statt http://www.youtube.com/watch?v=LholQcnd3uQ. Dementsprechend viele Surfer sind hier zu finden, aber auch ein wenig gaga anmutende ältere Frauen, die Nüsse und Trockenobst verkaufen und sieben Röcke übereinander tragen. Nach so viel Sonne möchte man sich vielleicht in einem kühlen Gebäude ausruhen. Dazu bieten sich hervorragend die beiden Klöster Batalha und Alcobaça an, die beide Unesco Weltkulturerbe sind und deren Kreuzgänge und Architektur sicherlich auch Nicht-Kirchgänger begeistern. Während in Batalha Gothische Steinhauerei und Manuelinik in Pefektion besichtigt werden können, liegt das Besondere von Alcobaça für mich vor allem in der tragischen (und gruselige) Liebesgeschichte die sich um die dort platzierten Grabmäler von Dom Pedro (dem Grausamen) und Inês rankt: Der Thronfolger Pedro war in die schöne Inês aus Spanien verliebt, aber da der Papa keine Schwiegertochter aus dem Nachbarland duldete wurde sie hingerichtet. Als Dom Pedro schließlich König wurde, ließ er alle damals Beteiligten aufschlitzen und aß die Herzen jener öffentlich auf. Anschließend wurde Inês' Leichnam exhuminiert, auf einen Thron gesetzt und jeder, der zur Audienz kam musste ihre Hand küssen. Später wurden die beiden in Alcobaca beigesetzt, aber natürlich nicht zusammen in einem Grab, sondern in den beiden Seitenschiffen, sodass sie, wenn sie dann auferstehen sich anblicken können. Hach ja, was 'ne grausige Legende, aber sehr beliebt bei jung und alt in Portugal!
ein Verkaufsstand in Fátima
Wenn uns nach den Klosterbesuchen nach noch ein bisschen mehr Kirche und praktizierter Religion ist, führt uns unser Weg nach Fátima, dem drittwichtigsten Pilgerort der Katholiken. Ein Wallfahrtsort, wie er im Buche steht und wer noch nicht in Lourdes o.ä. war, sollte sich so etwas schon mal anschauen. Fluoreszierende, glitzernde oder übermenschgroße Marienstatuen, Rosenkränze und dazwischen Spielzeugpistolen für die Kleinen. Alles gibt' s hier zu kaufen. Vor allem auch Körperteile aus Wachs und Kerzen in allen Größen, um diese dann im Opferfeuer zu versenken. Ach so, der ganze Rummel findet hier statt, da dort 1917 drei Hirtenkinder mehrere Marienerscheinungen gehabt haben sollen und zudem drei geheime Prophezeiungen mitgeteilt bekommen haben sollen, die sich natürlich alle erfüllt haben.
Das sind mehr oder weniger die Highlights der Região Leiria, aber natürlich gibt es noch viele andere schöne Plätze, den riesigen Pinienwald und die Hügel mit schöner Aussicht und und und.

Auf einer Fahrt Richtung Lissabon dürfte nun auf gar keinen Fall ein Besuch in Óbidos (komplette, mittelalterliche Stadtmauer und lecker Kirschlikör), Peniche (Surferparadies), Caldas da Rainha (Künstlerstadt), den Grutas (Tropfstein-höhlen), Sintra und Mafra (Königspaläste wohin man schaut) fehlen.
Richtung Norden sollte man nicht an Coimbra (das portugiesische Heidelberg), Aveiro (das portugiesische Venedig) und am Serra da Estrella (Ski- und Wandergebiet) vorbeifahren ohne auszusteigen. Und von Porto aus sollte ein Ausflug nach Guimarães (EU-Kulturhauptstadt 2012), in den Gerês (Naturschutzgebiet mit schönen Lagunen, aber ich war noch nicht dort -steht auf dem Plan ganz oben!) und nach Valenca (Grenzstadt zu Spanien am Minho) drin sein.

Natürlich gibt es zu all diesen Orten viele Fotos, Erlebnisse und Anekdoten zu sehen/erzählen, aber IRGENDwas müssen wir ja auch noch in persona bequatschen können, wenn ich ca. 3 Monaten wieder in Deutschland bin...

Mittwoch, 7. März 2012

Highlights


Ai, ai, ai –nossa, o tempo vai tão rápido… Então, hoje o texto vai ser em português, ta bom?
Okay, na gut, is vielleicht bissl kontraproduktiv, wenn ich jetzt so weitermache. Ich moechte euch ja schliesslich, nach langer Zeit mal wieder, an meinem Leben teilhaben lassen. Zunächst einmal: Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat. Aber ich bin hier eben mittlerweile im Alltag angekommen und da gibt es ja bekanntlich nicht immer soo viel Neues zu berichten, gell?
Die ersten zwei Monate dieses Jahres vergingen zudem einfach unglaublich schnell und ehe man sich versieht, ist hier schon mit aller Macht – nach einem zugegebenermassen sehr kurzen Winter - der Frühling eingekehrt. Wir haben täglich viel Sonne, 20 Grad und die Kirschbäume blühen, dass es kracht. Aber was habe ich so getrieben in letzter Zeit?
Amsterdam im Schnee
Ende Januar durfte ich als Begleitlehrerin für einen Kunst- Schüleraustausch mit nach Geldrop/Holland. Wir verbrachten eine wunderbare Woche in der Nähe von Eindhoven, wandelten auf den Spuren Van Goghs und einige unserer Schüler kamen zum ersten Mal in den Genuss von SCHNEE! Ganz nebenbei und unkompliziert liess ich mir dort auch einen Weisheitszahn ziehen, da dieser urploetzlich einen Wachstumsschub hatte und sich unangenehm in meine Wange bohrte.(So uncharmant das klingen mag, aber ich war ganz froh, dass ich das nicht in Portugal machen lassen musste…also: glückilcher Zufall!) Mitte April kommt dann der Gegenbesuch, auf den ich mich sehr freue, da wir jetzt natürlich zeigen wollen, was Portugal Schoenes zu bieten hat und ich mich auch supergut mit den holländischen Lehrern verstanden habe.
Badstrasse - Monopoli
Die Karnevalsferien verbrachte ich bei Alex in Italien und musste staunen: Es gibt Monopoli tatsächlich. Er hat es sich nicht ausgedacht –ich kann es nun bezeugen! Und es ist sogar richtig nett da. Schoene Kueste (wenn man von den obligatorischen Müllbergen Italiens absieht), lecker Cappuccino, gutes Conservatorio und jede Menge Regen. In Bari hab ich den gestohlenen (siehe Wikipedia!) hlg. Nikolaus besucht (und ihn gefragt, warum er letztes Jahr nicht nach Portugal kam … keine Antwort) und nach vier Tagen in Apulien ging’s dann nach Rom. Alex und ich genossen die gemeinsame Zeit sehr (Colosseo, Forum und co, Erasmus-Freunde treffen, in die Oper gehen und und und) und ganz, ganz bald kommt er ja dann auch hierher. J
Soenke-Liva-Mir
Ansonsten arbeite ich eben wie gewohnt weiter an diversen Projekten, Austauschen usw. Nächste Woche treten wir beim “Concurso Karaoke Alemão” in Lisboa an und räumen ganz bestimmt ab mit unserer besseren Version von Frida Gold “Wovon sollen wir träumen?”…ganz bestimmt. Und an den Wochenenden unternehme ich meist was Aktives mit Liva und Soenke. Letztes Wochenende verbrachten wir in der Serra da Estrella, dem einzigen Skigebiet Portugals und bestiegen bei so richtigem Shiitwetta (2 Grad, Nebel, Sturmboeen) den Torre, den hoechsten portugiesischen (Festland!) Berg.
Monsanto in der Serra -hier steht die Zeit still!
Ich hoffe, ihr seid alle gut durch den Winter gekommen und geniesst schon die ersten Frühlingsstunden! Lasst gelegentlich von euch hoeren –freue mich immer und antworte meist!
Ich werde auch schon ganz bald wieder hier was posten …hab das schon fest geplantJ!
Beijinhos
Eure Mirjam






Sonntag, 20. November 2011

Kleine große Unterschiede



Ich sitze im “Büro”, starre auf den sonnenbeschienenen Weinberg vor der Schule und warte auf meine Schülerin Salomé. Doch da sie wahrscheinlich nicht mehr kommen wird, hab ich jetzt Zeit über die vergangenen sieben Wochen seit meinem letzten Blog nachzudenken.
Zu allererst stelle ich fest, dass die Zeit hier irgendwie schneller läuft (sieben Wochen schon?), dann stelle ich fest, dass mich die portugiesische Word - Autokorrektur immer noch auf die Palme bringt und irgendwie stellt sich gleichzeitig das Gefühl ein: Ich habe mich hier eingelebt.
Castelo de Leiria
"Meine" Schule: Escola Secundária F.R.Lobo
Ich bin ja fast versucht, meinen Terminkalender herauszuholen und einfach aufzuzählen, was ich alles so gemacht hab in der letzten Zeit, aber vielleicht sollte ich auch Rubriken aufmachen, damit jeder das lesen kann, was er will… noe (wo istd as oe?? Braucht man irgendwie viel seltener als ä und ü..), ich werde jetzt einfach über das schreiben, was auf der Hand liegt und mich natürlich viel beschäftigt – die (kulturellen) Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen/von Portugal und Deutschland. (uff, klingt nach Essay..aiii.sorry!)

Soll auch einen Blog mit ähnlichem Inhalt fürs Goethe-Institut schreiben, da bietet sich das ja an – Recyclen ist ja hoch im Kurs.:-) Nicht nur in Deutschland! Hier stehen an jeder Strassenecke ca. 5 verschiedene Tonnen, wie in Dtl. Müll dort abzuladen ist sogar kostenlos, aber meine WG hatte sich schon vor meinem Einzug irgendwie gegen das Trennen entschieden, was mir natürlich im Herzen wehtat. Manchmal hab ich aber heimlich nachsortiert; bis neulich Isabella (Freundin aus Hoegyzeiten, die momentan Erasmus in Salamanca macht und mich besuchte) beobachtete, dass aller Müll mit einem Auto abtransportiert wird. Enttäuschend! Also schmeisse ich fortan auch alles zusammen, und irgendwie machts Spass…
Es ist wirklich kurios, denn in manchen Belangen sind die Portugiesen dann wiederum deutscher als wir. Zwar sind sie extrem unpünktlich im privaten Bereich, aber wenn es um Unterrichtszeiten geht, sind sie maximal 5 min. zu spät. Wenn ich da an meine Schulzeit zurückdenke… Sie sind zudem noch groessere Meister in Sachen Bürokratie. Es gibt hier für jeden Antrag mindestens fünf Formulare, die man vorher ausfüllen muss. Darum haben wir hier in der Schule auch zehn Sekretärinnen und die Schulleitung (bestehend aus drei RektorInnen) hat auch nochmal zwei, um den ganzen Papierkram zu bewältigen. Die Schüler werden auch schon früh dran gewoehnt. Der Clube Europeu (in dem ich hauptsächlich arbeite) bietet einige Schüleraustausche und Projekte an, für die sich die Schüler bewerben koennen. Bis ein Austausch erfolgreich über die Bühne gegangen ist (wie neulich der mit Rheine/Münsterland) gehen zwischen jedem Schüler und uns ca. 10 Zettel hin und her. Meist mit ähnlichem Inhalt (Interessen, Erlaubnis der Eltern, Orgadetails…). Momentan sind Schüler von uns in Rumänien. Und Schüler aus Wien sind hier zu Besuch. Im Januar fährt eine Gruppe von uns nach Geldrop usw. Die Schule ist wirklich sehr weltoffen, modern und fortschrittlich. Ich arbeite hauptsächlich im organisatorischen Bereich und unterrichte nicht so viel. Ich versuche einen Chor auf die Beine zu stellen, was nicht so einfach ist, da es in Portugal in der Regel keinen Musikunterricht gibt und die Schüler überhaupt nicht daran gewoehnt sind, dass ein solches Angebot Platz in einer Schule haben kann. Komme mir ein bisschen vor, wie in einem doofen Highschool-Film, in dem ich versuche die Musik-Nerds populär und cool zu machen. Momentan sind wir neun “Chor-Nerds” und ich plane ein kleines Promo-Konzert in der Vorweihnachtszeit als Werbung. Ein riesiger Unterschied ist aber auch das Vehältnis zwischen Schüler und Lehrer, das ein sehr viel herzlicheres und freundschaftllicheres ist, als in Deutschland. Birgt natürlich auch die Risiken, dass die Grenzen verschwimmen und ein Stück weit der Erziehungsauftrag verloren geht...(Anekdoten werden nur mündlich über-/nachgeliefert). Ambivalent ist jedoch die Anrede der Lehrer. Die Schüler sagen zwar meist den Vornamen der Lehrer, komibinieren den allerdings mit der Bezeichnung “Stora”, was ein Mix aus Senhora Dottora ist. Tjaha, so schnell bin ich zu einem Doktortitel gekommen – wir nehmen das wohl mit den Titeln einfach ein bissl zu ernst zu Haus. Außerdem ist für mich völlig neu und sehr interessant das Arbeiten mit einer integrativen Klasse. In eine unserer Berufsschulklassen (Tourismo) geht Miguel, ein wunderbarer Junge mit Asperger- Syndrom. Er lernt auch Deutsch und war darum auch diese Woche bei unserem Ausflug nach Porto dabei. Dort waren alle Deutsch- Schüler bei einem Konzert der Hamburger Pop/Rock-Band Die Fotos. Ein ganz besonderes Erlebnis für uns alle, ganz besonders aber für meine 16-Jährigen Mädels, die danach sogar Fotos mit den Fotos machen durften. Die wissen hier ganz gut, welche Quellen und Töpfe angezapft werden können und wie man dieses Geld dann unters Volk bringt. Ich kann also jede Menge lernen und habe auch schon gelernt. Zum Beispiel auch, dass Herbst nicht immer bedeutet, dass alles grau und braun wird. Nein, hier wurde plötzlich alles grün. Dank des ausgiebigen Regens.
Meine liebe Kollegin Carla


So. Das wird hier alles viel zu lang, aber ich hab euch ja auch lange warten lassen. Ich hoffe, euch geht es gut und abgesehen von Schnupfnasigkeit seid ihr alle wohlauf. Melde mich bald wieder -und ihr hoffentlich auch!
Viel Freude beim Deutschlehrertag im Goethe Institut mit Alcinda und Lisete, meinen beiden anderen lieben Kolleginnen
(Alle Rechtschreibfehler gehen heute übrigens auf die Kappe von der port. Word- Worterkennung!)

Dienstag, 27. September 2011

Final Destination: Leiria.

Vor ein paar Stunden habe ich also meinen neuen Wohnort erreicht und finde, ich hab es wirklich gut getroffen. Leiria ist ein schmuckes Städtchen mit Historie in einer wahnsinnig schönen grünen und hügeligen Region. Viel hab ich noch nicht gesehen, da ich bissl müde bin von Lissabon, aber zur Besichtigung hab ich ja genug Zeit.


Nach meinem Aufbruch bei Familie Tavares tingelte ich erstmal schön gemütlich entlang der algarvischen Küste und probierte die diversen Strände, Campingplätze und Pratos do Dia (=Mittagstisch) aus.


Doch schon bald stellte ich fest, dass alleine zu reisen vielleicht für 2 Tage gut ist -also zumindest für mich. Danach begann ich, mich einsam zu fühlen. Ich denke, die vergangenen 10 Tage waren so etwas wie eine Pilgerreise für mich; nur leider bin ich nicht so der Pilgertyp. Man beginnt, sich über die seltsamsten Dinge Gedanken zu machen, führt Gespräche mit dem Campingkocher, dem Radio und jedem fremden Menschen, der einem ansprechbar vorkommt (- also etwas, was man bei Mütterns immer etwas wunderlich findet -sorry, Mama!).


Große (?)...lange Gedanken machte ich mir dann beispielsweise über den Umstand, dass am ehemaligen Ende der Welt, dem Cabo São Vicente (=Ecke von Portugal), sich anscheinend an jedem Abend sämtliche Touristen aus einem Umkreis von 100 km einfinden, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Ist ja auch wirklich hübsch. Der Leuchtturm, die Klippen, die Möven.... 250 andere Menschen, Pommes/Churrosbuden und eine Sonne wie sonst auch überall. Wie im Kino! Und als der rote Ball schließlich ins Meer plumpst klatschen einige. Langer Rede kurzer Sinn, ich habe mir auf jeden Fall daraufhin ca. 2 Tage den Kopf darüber zerbrochen, warum Menschen sich überhaupt immer wieder Sonnenuntergänge am Meer anschauen wollen!? Ich will euch nun nicht mit meinem ganzen Stream of Conciousness langweilen und zu einer Lösung bin ich sowieso nicht gekommen (aber wenn jemand eine parat hat, kann er mir die gerne mailen.). Es kann nämlich nicht nur das schöne Licht sein. Ich vermute noch Allmachtsphantasien dahinter, denn wenn die Sonne untergeht ist sie winzig klein und man hat das Gefühl, man kann sie mit dem kleinen Finger vollends ins Meer schnipsen; oder aber man will wirklich sicher gehen, dass die Erde eine Scheibe ist und die Sonne nur für uns scheint oder oder oder...Wie gesagt, den Rest erspar ich uns!



Korkeiche
Nichtsdestotrotz ist die Natur vor allem an der Küste des Alentejo herrlich. Ziemlich schroff, steil mit skurrilen Felsen und perfekt in einem Piratenfilm vorzustellen. Nachdem ich dann also eh allein war, zog ich die Natur (Lagunen, Klippen, alte Schlossruinen (zählt das zu Natur?)) der Stadt vor und hielt mich nur wenn nötig in größeren Orten auf. Dort verfährt man sich eh nur (ohne GPS), da es keine guten Straßenschilder gibt. Weiterer Nachteil des Alleinreisens ist also, das Navigieren. Aber da konnte ich dann ganz prima nachempfinden, wie sich die portugiesischen Seefahrerhelden, denen mit abertausend Denkmälern hierzulande gehuldigt wird  - das waren Zeiten!-,  gefühlt haben müssen. Und da Not ja erfinderisch macht, bin ich nun ganz gut im Straßenschilder-im-Rückspiegel-Lesen. Denn oft gibt’s nur auf einer Straßenseite Beschilderungen - fies, aber herausfordernd. Meinen Tiefpunkt in Sachen Orientierung hatte ich dann am Freitag, als ich auf der Halbinsel von Setúbal feststellen musste, dass ich so langsam in die Nähe von Lissabon komme, die Städte also immer größer und unübersichtlicher werden und ich irgendwie so gar nicht mehr klar kam. Kurzerhand flüchtete ich aus Setúbal an den Strand und in den Nationalpark Arrabida, wo sich innerhalb kürzester Zeit rote Klippen und dichte Pinienwälder auf 500m heben. Ein sehr friedliches Fleckchen Erde.


Im Windschatten der Metropole merkt man dann schließlich auch Unterschiede in der Strandgestaltung. Dort gibt es einen Strand für Familien, einen für Homosexuelle, einen für Raucher, für Singles, für Pärchen....alles. Voller Vorfreude besah ich am Samstagabend dann erstma aus sicherer Entfernung Lissabon von der Christusstatue in Cacalha aus -einmal quer rüber über den Tejo. Und am  Sonntag gings dann auch endlich via Golden Gate Bridge no.2 (Ponta da 25 Abril) rein in die City. Ein komfortables, neues Hostel in einer alten Villa (sehr zu empfehlen! → GO Hostel) war meine Unterkunft. Tja, und die letzten Tage habe ich dann also relaxtes Sightseeing in Lisboa betrieben (Näheres siehe Dumont bzw. komme vorbei), liebe und verrückte Menschen kennen gelernt und mich auf das kommende Jahr gefreut!
In einer alten Mühle
Ab Montag werd ich dann die Escuola unsicher machen-hihi.

Meine einsame Hütte


Sicht auf Lisboa
 

Samstag, 17. September 2011

Adeus Faro

Ich sitze auf gepackten Koffern (und Plastiktüten) und werde Faro gleich "Leb Wohl" sagen. Und damit auch meiner lieben, lieben Gastfamilie Tavares, bei denen ich eine wunderbare Zeit hatte. Insbesondere die letzte Woche war einfach so schön, auch was Schule usw. betrifft, dass ich momentan gar keine große Lust habe aufzubrechen. Der Sprachunterricht hat sich um 180 Grad gewandelt. Die neue Lehrerin, Cristina, hat einen straffen, effektiven Lehrstil und trotzdem kam der Spaß nicht zu kurz. Und so fiel auch der Abschied von ihr sehr schwer. Diesen versüßte sie mir mit ein paar portugiesischen Rezeptheften, da sie mitbekommen hatte (gut, wir müssen ja auch ständig erzählen, was wir in unserer Freizeit machen, was wir am vergangenen Samstag gemacht haben und was wir morgen machen werden...), dass ich sehr gerne koche. Und eine Urkunde gabs obendrauf, die besagt, dass ich ganz grandios Portugiesisch auf A1 -Niveau spreche! :-) Diejenigen, denen das nun nichts sagt, können gerne mal "Europäischer Referenzrahmen" googlen, dann könnt ihr nachlesen, was ich schon so alles Tolles kann.
A propos Kochen. Am Mittwoch habe ich ein bissl schwäbische Esskultur nach Portugal gebracht. Ich habe für meine Gastfamilie Spätzle mit Geschnetzeltem und Salat gemacht und zum Nachtisch gab`s einen (oookay, schwedischen) Schokokuchen mit Eis und Himbeeren. Die Spätzle bei über 30 Grad Lufttemperatur=gefühlte 40 Grad Küchentemp. zu schaben war ziemlich anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Alle waren am Ende contente, feliz, happy, satt.
Ansonsten wurde es mir diese Woche kaum langweilig, schließlich sind gerade Saldes, ich hatte viele Hausaufgaben oder hab was mit Maya unternommen -meiner schweizer Kollegin. Wir waren diese Woche nur noch zu zweit im Unterricht und haben immer zusammen Mittag gegessen, manchmal auch noch Abends uns getroffen und sind nach Almancil gefahren,  um dort die berühmte Igreja São Lorenco zu besichtigen. Eine kleine Kirche, die innen komplett mit den hübschen blauen Azuleijos (kleine bemalte Fliesen) ausgestattet ist. Extrem schön! Die Motive zeigen die traurige Geschichte des heiligen Laurentius, die auf dem Grill endet. (dabei kam mir der Gedanke: wie passend das ist, dass unsere Stadtkirche St. Laurentius in Nürtingen vor ein paar Jahren abgebrannt ist...)
Neben der Kirche befindet sich ein, von Deutschen initiiertes und geleitetes, Kulturhaus mit Skulpturengarten. Innen und außen wird moderne Kunst von (hauptsächlich) regionalen Künstlern ausgestellt und drinnen probte zudem noch ein Pianist für ein Konzert am Abend. Giro!



Mein Künstler-Gastvater Carlos gab mir gestern dann auch noch eine Führung durch sein Kellermuseum. Eine Mischung aus Fitnessraum, Werkstatt und Atelier. Er malt viel und hat früher auch ein Fotostudio gehabt. Wir haben lange seine Bilder betrachtet und als ich bei einem spontan sagte, dass mir das sehr gut gefiel -schenkte er mir dieses! Das zeigt einmal mehr, in was für einer lieben Familie ich gelandet bin. Vielen Dank Rita und Carlos!
So. Ich werde mich nun in meinen flotten Corsa schwingen und die Costa entlang brausen. 11 Tage bin ich dann mit meinem schicken Zelt unterwegs Richtung Leiria (via Lissabon). Lasst von euch hören und allen, die wieder in Arbeit und Studium starten, wünsche ich einen guten Beginn!
Abschiedsessen mit Maya - 16.09.11


Sonntag, 11. September 2011

Die ersten zwei Wochen Faro

So, nun habe ich mich also dazu durchgerungen ein elektronisches Tagebuch zu führen. Der Entschluss resultiert aus ca. 10 Mails, die ich am Freitag verfasst habe. Ich hatte einen Vormittag frei und schrieb lustig drauf los. Alsbald stellte ich dann aber fest, dass ich mich dauernd wiederholte und mich selbst langweilte... Und so dachte ich, wäre es vielleicht nicht schlecht für alle Interessierten ein Blog zu führen, wo ich dann auch stets die passenden Bilder zum "Event" hinzufüge.
Soviel vornweg.
Blick auf Altstadt von Faro (v. Boot aus)
Ich bin nun also seit exakt zwei Wochen hier in Faro, einer kleinen Stadt (so groß wie Nürtingen ungefähr) im wunderschönen Algarve. Ja, "im"! Im Prinzip ist das hier der Touri-Hotspot von Portugal, aber so langsam kündigt sich das Ende der Saison an. Es fahren kaum mehr Busse und Boote zu den Stränden und die Preise in Restaurants und Hotels sinken um ca. die Hälfte. Doch trotz Hochsaisonende haben wir in der vergangenen Woche konstant 33 Grad gehabt und ich habe nachts kaum einschlafen können, da es im vierten Stock leider nicht so richtig abkühlt. Meine Gastfamilie, die super (Schwiizer-)Deutsch spricht und ganz doll lieb ist, wohnt ca. 10 min. von der Sprachschule und so habe ich jeden Tag einige nette Spaziergänge, die mich automatisch vorbei an einer kleinen Kirche auch durch die Markthalle führen. Dort gibt es frischen Fisch direkt aus der Lagune hier und leckere Früchte hauptsächlich aus Spanien. Dann sitze ich von 9-12 in der Schule und büffle Portugiesisch, was sich als eine echt schwierig zu lernende Sprache herausstellte. Darum geht es leider auch nicht so schnell voran, wie gewünscht. Dazu kommen noch Differenzen mit der Lehrerin, die ab nächster Woche aber eh nicht mehr da sein wird. Das Problem mit ihr war, dass sie zuviel Deutsch mit uns sprach und viele Dinge (Ausspracheregeln etc.) nicht einleuchtend erklären konnte. Dadurch stellte sich eine große Unzufriedenheit im Kurs ein und als wir letzten Freitag eine Vetretungslehrerin hatte, waren wir alle ganz überrascht, wie locker und fröhlich so eine Portugiesischstunde auch ablaufen kann. Mal seh`n, wie es weitergeht.
Nach der Schule esse ich meist mit meinen wenigen Mitschülerinnen in einem der nahen Cafés zu Mittag. Dort gibt es immer einen günstigen "Prato do Dia" - Überraschungen inklusive. Tja, und dann steht mir der Tag zur freien Verfügung... Ich hab keine Ahnung, wann ich zuletzt SO viel Zeit hatte! Also lerne ich Vokabeln, werde braun wie Schoggi und habe sogar angefangen zu malen (bzw. ich versuche es). Zwischendurch habe ich Ausflüge in die umliegenden Ortschaften und nach Spanien unternommen. Spanien ist ca. 60 km entfernt -eine Stunde mit dem Zügle. 

 Dort hab ich dann mit Saskia (aus GB) schön, lecker Tapas gegessen und die quirligen Spanier beobachtet. Das ist dann doch ein enormer Unterschied. Die Portugiesen sind, was das Temperament angeht, im Vergleich eher passiv und träge. So dauert es einfach immer mind. 15 min. an der Kasse im Supermarkt zu warten und im Weg stehen sie sowieso :-) Die Portugiesen selbst bezeichnen das als "besonnen". Auch eine Art es zu sehen... 
Gestern habe ich mit Maja (aus CH und letzte übrig gebliebene Mitschülerin) eine Vogel-Beobachtungsbootstour durch das Ria Formosa, das Naturschutzgebiet in der Lagune gemacht.
Hier gibt es ganz viele Flamingos, Störche, Reiher usw. Danach wurden wir dann auf der Ilha Deserta ("verlassene Insel") ausgesetzt zum Baden und Muschelnsammeln. Wunderschön! Heute war ich dann mit meiner "besonnenen" Familie in deren Landhäusle. Wir haben gegrillt, gechillt und die Pflanzen gegossen. Während ich gelernt habe, haben Rita und Carlos Trauben und Feigen geerntet. Alles sehr idyllisch! Und nicht so heiß, wie in der Stadt. Ein wirklich schönes Wochenende liegt nun hinter mir und ich bin gespannt, was in meiner letzten Woche des Sprachkurs` alles so kommt.

Auf`m Vogel-Guck-Katamaran