Ich sitze auf gepackten Koffern (und Plastiktüten) und werde Faro gleich "Leb Wohl" sagen. Und damit auch meiner lieben, lieben Gastfamilie Tavares, bei denen ich eine wunderbare Zeit hatte. Insbesondere die letzte Woche war einfach so schön, auch was Schule usw. betrifft, dass ich momentan gar keine große Lust habe aufzubrechen. Der Sprachunterricht hat sich um 180 Grad gewandelt. Die neue Lehrerin, Cristina, hat einen straffen, effektiven Lehrstil und trotzdem kam der Spaß nicht zu kurz. Und so fiel auch der Abschied von ihr sehr schwer. Diesen versüßte sie mir mit ein paar portugiesischen Rezeptheften, da sie mitbekommen hatte (gut, wir müssen ja auch ständig erzählen, was wir in unserer Freizeit machen, was wir am vergangenen Samstag gemacht haben und was wir morgen machen werden...), dass ich sehr gerne koche. Und eine Urkunde gabs obendrauf, die besagt, dass ich ganz grandios Portugiesisch auf A1 -Niveau spreche! :-) Diejenigen, denen das nun nichts sagt, können gerne mal "Europäischer Referenzrahmen" googlen, dann könnt ihr nachlesen, was ich schon so alles Tolles kann.
A propos Kochen. Am Mittwoch habe ich ein bissl schwäbische Esskultur nach Portugal gebracht. Ich habe für meine Gastfamilie Spätzle mit Geschnetzeltem und Salat gemacht und zum Nachtisch gab`s einen (oookay, schwedischen) Schokokuchen mit Eis und Himbeeren. Die Spätzle bei über 30 Grad Lufttemperatur=gefühlte 40 Grad Küchentemp. zu schaben war ziemlich anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Alle waren am Ende contente, feliz, happy, satt.
Ansonsten wurde es mir diese Woche kaum langweilig, schließlich sind gerade Saldes, ich hatte viele Hausaufgaben oder hab was mit Maya unternommen -meiner schweizer Kollegin. Wir waren diese Woche nur noch zu zweit im Unterricht und haben immer zusammen Mittag gegessen, manchmal auch noch Abends uns getroffen und sind nach Almancil gefahren, um dort die berühmte Igreja São Lorenco zu besichtigen. Eine kleine Kirche, die innen komplett mit den hübschen blauen Azuleijos (kleine bemalte Fliesen) ausgestattet ist. Extrem schön! Die Motive zeigen die traurige Geschichte des heiligen Laurentius, die auf dem Grill endet. (dabei kam mir der Gedanke: wie passend das ist, dass unsere Stadtkirche St. Laurentius in Nürtingen vor ein paar Jahren abgebrannt ist...)
Neben der Kirche befindet sich ein, von Deutschen initiiertes und geleitetes, Kulturhaus mit Skulpturengarten. Innen und außen wird moderne Kunst von (hauptsächlich) regionalen Künstlern ausgestellt und drinnen probte zudem noch ein Pianist für ein Konzert am Abend. Giro!
Mein Künstler-Gastvater Carlos gab mir gestern dann auch noch eine Führung durch sein Kellermuseum. Eine Mischung aus Fitnessraum, Werkstatt und Atelier. Er malt viel und hat früher auch ein Fotostudio gehabt. Wir haben lange seine Bilder betrachtet und als ich bei einem spontan sagte, dass mir das sehr gut gefiel -schenkte er mir dieses! Das zeigt einmal mehr, in was für einer lieben Familie ich gelandet bin. Vielen Dank Rita und Carlos!
So. Ich werde mich nun in meinen flotten Corsa schwingen und die Costa entlang brausen. 11 Tage bin ich dann mit meinem schicken Zelt unterwegs Richtung Leiria (via Lissabon). Lasst von euch hören und allen, die wieder in Arbeit und Studium starten, wünsche ich einen guten Beginn!
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| Abschiedsessen mit Maya - 16.09.11 |