| Willkommen in Portugal |
| Ursprung des Lís |
Beginnen wir unsere Reise
also in meinem Wohnort. Leiria. Ein kleines Städtchen im Zentrum
Portugals mit ungewisser Einwohnerzahl, aber mit allem, was man so
zum Leben braucht. Einer Praca mit Cafés und Bars, einer Kathedrale
ohne Glockenturm, dieser steht nämlich am Eingang zur Burg, ganz
nebenbei bemerkt die in meinen Augen perfekteste Burgruine Portugals, einem EM-Stadion (steht zum Verkauf - hat jemand Interesse?)
einem Flüsschen (eigentlich sind's der Balance wegen zwei: Lís und
Lena - Yin und Yang sozusagen) mit Promenade, einem hässlichen
Monster- Shoppingcenter und der wichtigsten Institution überhaupt:
einem Busbahnhof!
Denn obwohl Leiria
ungefähr so bedeutend ist wie Anweiler in der Pfalz, kennt fast
jeder Portugiese unsere Cidade, dank der wirklich zentralen Lage im
Land. Mehr oder weniger auf halber Strecke zwischen Porto und
Lissabon, sowie in unmittelbarer Nähe einiger sehr bedeutender Orte
(siehe unten) ist Leiria der ideale Ausgangspunkt für eine
Komplett-Erkundung Portugals! (Das könnt jetzt wirklich in 'nem
Reiseführer stehen, gell? :-) )
| Praia de Baleal |
| Mosteiro de Batalha |
Im Umkreis von ca. 30 km
können wir viele schöne Ausflüge unternehmen, die jeden Geschmack
ansprechen. Zunächst stehen für die Sonnenanbeter und Atlantikfans
mehrere Strände zur Verfügung. Als Hausstrand (und laut echtem
Reiseführer ein Geheimtipp...aha) könnte man wohl am ehesten São
Pedro de Moel bezeichnen. Ein kleiner Sandstrand mit wenig Surfern,
typisch portugiesischer Steilküste und einem niedlichen Ort mit
seltsamen „Schwarzwaldhäusern“. Etwas südlicher kommen wir nach
Nazaré. Dort gibt eine sehr hohe Klippe mit Leuchtturm, an die
riesige Wellen klatschen. Hier am Nordstrand von Nazaré fand letzten
November auch der unglaubliche Weltrekordsurf (30 m Welle) von
Garrett McNamara statt http://www.youtube.com/watch?v=LholQcnd3uQ. Dementsprechend viele Surfer sind hier zu
finden, aber auch ein wenig gaga anmutende ältere Frauen, die Nüsse
und Trockenobst verkaufen und sieben Röcke übereinander tragen.
Nach so viel Sonne möchte man sich vielleicht in einem kühlen
Gebäude ausruhen. Dazu bieten sich hervorragend die beiden Klöster
Batalha und Alcobaça an,
die beide Unesco Weltkulturerbe sind und deren Kreuzgänge und
Architektur sicherlich auch Nicht-Kirchgänger begeistern. Während
in Batalha Gothische Steinhauerei und Manuelinik in Pefektion
besichtigt werden können, liegt das Besondere von Alcobaça
für mich vor allem in der tragischen (und gruselige)
Liebesgeschichte die sich um die dort platzierten Grabmäler von Dom
Pedro (dem Grausamen) und Inês rankt: Der Thronfolger Pedro war in
die schöne Inês aus Spanien verliebt, aber da der Papa keine
Schwiegertochter aus dem Nachbarland duldete wurde sie hingerichtet.
Als Dom Pedro schließlich König wurde, ließ er alle damals
Beteiligten aufschlitzen und aß die Herzen jener öffentlich auf.
Anschließend wurde Inês' Leichnam exhuminiert, auf einen Thron
gesetzt und jeder, der zur Audienz kam musste ihre Hand küssen.
Später wurden die beiden in Alcobaca beigesetzt, aber natürlich
nicht zusammen in einem Grab, sondern in den beiden Seitenschiffen,
sodass sie, wenn sie dann auferstehen sich anblicken können. Hach
ja, was 'ne grausige Legende, aber sehr beliebt bei jung und alt in
Portugal!
| ein Verkaufsstand in Fátima |
Wenn
uns nach den Klosterbesuchen nach noch ein bisschen mehr Kirche und
praktizierter Religion ist, führt uns unser Weg nach Fátima, dem
drittwichtigsten Pilgerort der Katholiken. Ein Wallfahrtsort, wie er
im Buche steht und wer noch nicht in Lourdes o.ä. war, sollte sich
so etwas schon mal anschauen. Fluoreszierende, glitzernde oder
übermenschgroße Marienstatuen, Rosenkränze und dazwischen
Spielzeugpistolen für die Kleinen. Alles gibt' s hier zu kaufen. Vor
allem auch Körperteile aus Wachs und Kerzen in allen Größen, um
diese dann im Opferfeuer zu versenken. Ach so, der ganze Rummel
findet hier statt, da dort 1917 drei Hirtenkinder mehrere
Marienerscheinungen gehabt haben sollen und zudem drei geheime
Prophezeiungen mitgeteilt bekommen haben sollen, die sich natürlich
alle erfüllt haben.
Das sind mehr oder
weniger die Highlights der Região Leiria, aber natürlich gibt es
noch viele andere schöne Plätze, den riesigen Pinienwald und die
Hügel mit schöner Aussicht und und und.
Auf einer Fahrt Richtung
Lissabon dürfte nun auf gar keinen Fall ein Besuch in Óbidos
(komplette, mittelalterliche Stadtmauer und lecker Kirschlikör),
Peniche (Surferparadies), Caldas da Rainha (Künstlerstadt), den
Grutas (Tropfstein-höhlen), Sintra und Mafra (Königspaläste wohin
man schaut) fehlen.
Richtung Norden sollte
man nicht an Coimbra (das portugiesische Heidelberg), Aveiro (das
portugiesische Venedig) und am Serra da Estrella (Ski- und
Wandergebiet) vorbeifahren ohne auszusteigen. Und von Porto aus
sollte ein Ausflug nach Guimarães (EU-Kulturhauptstadt 2012), in den
Gerês (Naturschutzgebiet mit schönen Lagunen, aber ich war noch
nicht dort -steht auf dem Plan ganz oben!) und nach Valenca
(Grenzstadt zu Spanien am Minho) drin sein.
Natürlich gibt es zu all
diesen Orten viele Fotos, Erlebnisse und Anekdoten zu sehen/erzählen,
aber IRGENDwas müssen wir ja auch noch in persona bequatschen
können, wenn ich ca. 3 Monaten wieder in Deutschland bin...
Wow, ein klasse bericht, da bekommt man richtig lust auch mal die Welt zu erkunden ;) Ich hab damals auch ein halbes Jahr in Salamanca studiert und überleg ob ich nicht auch nochmal an eine kleine portugiesische uni gehe, daher wäre ja das wichtigste ob das Essen identisch ist ;). Ich war leider zuvor noch nie in Portugal, daher frag ich mal lieber leicht an. Gibt es sowas in etwa auch bei dir? Falls du ein paar andere Essenstipps hast, nur her damit ;) Lieben Gruß und weiterhin viel Spaß in den letzten Monaten, Susi
AntwortenLöschenIdentisch zu spanischem Essen? Sicherlich nicht. Klar, gibt's hier auch sehr viel frischen Fisch und sonstiges Meeresgetier, aber ansonsten viele Bohnengerichte (auch oft mit Koriander gewuerzt), viel Gegrilltes und Petiscos. Das ist unser Pendant zu den span. Tapas, aber eigentlich auch wieder gar nich zu vergleichen. Es sind eben kleinere Speissen, aber nich so huebsch hergerichtet wie Tapas. Und dann gibts natuerlich noch regionale Unterschiede. Im Norden muss man unbedingt Francesinha essen (n Art Mega-Sandwich mit Steak, viel Kaese und Tomatensossen uebergossen). Port. Essen ist alles bissl "grob", aber ich liebe es! :-)
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