Samstag, 14. April 2012

Was gibt' s denn da zu gucken?


Willkommen in Portugal
Hoffentlich hattet ihr alle ein schönes Osterfest mit lecker Essen, lieben Menschen und vielleicht ein paar Ferientagen! Ich hatte vor Ostern zwei Wochen Schulferien, in denen ich den ersten „Besucheransturm“ bewältigte. Erst war Alex für eine viel zu kurze Woche hier und wir haben zum ersten Mal unsere Geburtstage am Strand gefeiert und im fliegenden Wechsel flogen dann in der zweiten Woche meine Eltern hier ein (irgendwas stimmt nicht in dem Satz, aber ich komm nicht drauf was und ihr wisst ja, was ich meine, não?). Zu viert waren wir in Lissabon in einem sehr schicken Fado-Restaurant mit wirklich guten, authentischen Fadomusikern. (Für die, die jetzt gerne Wikipedia öffnen würden, um nachzulesen, was genau Fado ist, hier ein Link, der in diesem Fall wohl besser geeignet ist: http://www.youtube.com/watch?v=1YriVM8sC7M). Mit den Eltern hab ich dann noch ein bisschen Sintra und den Norden Portugals unsicher gemacht, aber die Einzelheiten dieser schönen Reise sind bei den Beteiligten selbst zu erfragen. Heute wollte ich nämlich etwas ganz anderes machen. Eine Art Reiseführer über meine neue Zweitheimat für all jene, die mich besuchen werden zur Vorbereitung, für die, die noch unentschlossen sind als kleiner Schubser in die richtige Richtung, und für die, die leider nicht nach Portugal kommen können zur besseren Vorstellung, was es hier denn überhaupt zu sehen gibt.
Ursprung des Lís

Beginnen wir unsere Reise also in meinem Wohnort. Leiria. Ein kleines Städtchen im Zentrum Portugals mit ungewisser Einwohnerzahl, aber mit allem, was man so zum Leben braucht. Einer Praca mit Cafés und Bars, einer Kathedrale ohne Glockenturm, dieser steht nämlich am Eingang zur Burg, ganz nebenbei bemerkt die in meinen Augen perfekteste Burgruine Portugals, einem EM-Stadion (steht zum Verkauf - hat jemand Interesse?) einem Flüsschen (eigentlich sind's der Balance wegen zwei: Lís und Lena - Yin und Yang sozusagen) mit Promenade, einem hässlichen Monster- Shoppingcenter und der wichtigsten Institution überhaupt: einem Busbahnhof!
Denn obwohl Leiria ungefähr so bedeutend ist wie Anweiler in der Pfalz, kennt fast jeder Portugiese unsere Cidade, dank der wirklich zentralen Lage im Land. Mehr oder weniger auf halber Strecke zwischen Porto und Lissabon, sowie in unmittelbarer Nähe einiger sehr bedeutender Orte (siehe unten) ist Leiria der ideale Ausgangspunkt für eine Komplett-Erkundung Portugals! (Das könnt jetzt wirklich in 'nem Reiseführer stehen, gell? :-) )

Praia de Baleal
Mosteiro de Batalha
Im Umkreis von ca. 30 km können wir viele schöne Ausflüge unternehmen, die jeden Geschmack ansprechen. Zunächst stehen für die Sonnenanbeter und Atlantikfans mehrere Strände zur Verfügung. Als Hausstrand (und laut echtem Reiseführer ein Geheimtipp...aha) könnte man wohl am ehesten São Pedro de Moel bezeichnen. Ein kleiner Sandstrand mit wenig Surfern, typisch portugiesischer Steilküste und einem niedlichen Ort mit seltsamen „Schwarzwaldhäusern“. Etwas südlicher kommen wir nach Nazaré. Dort gibt eine sehr hohe Klippe mit Leuchtturm, an die riesige Wellen klatschen. Hier am Nordstrand von Nazaré fand letzten November auch der unglaubliche Weltrekordsurf (30 m Welle) von Garrett McNamara statt http://www.youtube.com/watch?v=LholQcnd3uQ. Dementsprechend viele Surfer sind hier zu finden, aber auch ein wenig gaga anmutende ältere Frauen, die Nüsse und Trockenobst verkaufen und sieben Röcke übereinander tragen. Nach so viel Sonne möchte man sich vielleicht in einem kühlen Gebäude ausruhen. Dazu bieten sich hervorragend die beiden Klöster Batalha und Alcobaça an, die beide Unesco Weltkulturerbe sind und deren Kreuzgänge und Architektur sicherlich auch Nicht-Kirchgänger begeistern. Während in Batalha Gothische Steinhauerei und Manuelinik in Pefektion besichtigt werden können, liegt das Besondere von Alcobaça für mich vor allem in der tragischen (und gruselige) Liebesgeschichte die sich um die dort platzierten Grabmäler von Dom Pedro (dem Grausamen) und Inês rankt: Der Thronfolger Pedro war in die schöne Inês aus Spanien verliebt, aber da der Papa keine Schwiegertochter aus dem Nachbarland duldete wurde sie hingerichtet. Als Dom Pedro schließlich König wurde, ließ er alle damals Beteiligten aufschlitzen und aß die Herzen jener öffentlich auf. Anschließend wurde Inês' Leichnam exhuminiert, auf einen Thron gesetzt und jeder, der zur Audienz kam musste ihre Hand küssen. Später wurden die beiden in Alcobaca beigesetzt, aber natürlich nicht zusammen in einem Grab, sondern in den beiden Seitenschiffen, sodass sie, wenn sie dann auferstehen sich anblicken können. Hach ja, was 'ne grausige Legende, aber sehr beliebt bei jung und alt in Portugal!
ein Verkaufsstand in Fátima
Wenn uns nach den Klosterbesuchen nach noch ein bisschen mehr Kirche und praktizierter Religion ist, führt uns unser Weg nach Fátima, dem drittwichtigsten Pilgerort der Katholiken. Ein Wallfahrtsort, wie er im Buche steht und wer noch nicht in Lourdes o.ä. war, sollte sich so etwas schon mal anschauen. Fluoreszierende, glitzernde oder übermenschgroße Marienstatuen, Rosenkränze und dazwischen Spielzeugpistolen für die Kleinen. Alles gibt' s hier zu kaufen. Vor allem auch Körperteile aus Wachs und Kerzen in allen Größen, um diese dann im Opferfeuer zu versenken. Ach so, der ganze Rummel findet hier statt, da dort 1917 drei Hirtenkinder mehrere Marienerscheinungen gehabt haben sollen und zudem drei geheime Prophezeiungen mitgeteilt bekommen haben sollen, die sich natürlich alle erfüllt haben.
Das sind mehr oder weniger die Highlights der Região Leiria, aber natürlich gibt es noch viele andere schöne Plätze, den riesigen Pinienwald und die Hügel mit schöner Aussicht und und und.

Auf einer Fahrt Richtung Lissabon dürfte nun auf gar keinen Fall ein Besuch in Óbidos (komplette, mittelalterliche Stadtmauer und lecker Kirschlikör), Peniche (Surferparadies), Caldas da Rainha (Künstlerstadt), den Grutas (Tropfstein-höhlen), Sintra und Mafra (Königspaläste wohin man schaut) fehlen.
Richtung Norden sollte man nicht an Coimbra (das portugiesische Heidelberg), Aveiro (das portugiesische Venedig) und am Serra da Estrella (Ski- und Wandergebiet) vorbeifahren ohne auszusteigen. Und von Porto aus sollte ein Ausflug nach Guimarães (EU-Kulturhauptstadt 2012), in den Gerês (Naturschutzgebiet mit schönen Lagunen, aber ich war noch nicht dort -steht auf dem Plan ganz oben!) und nach Valenca (Grenzstadt zu Spanien am Minho) drin sein.

Natürlich gibt es zu all diesen Orten viele Fotos, Erlebnisse und Anekdoten zu sehen/erzählen, aber IRGENDwas müssen wir ja auch noch in persona bequatschen können, wenn ich ca. 3 Monaten wieder in Deutschland bin...

2 Kommentare:

  1. Wow, ein klasse bericht, da bekommt man richtig lust auch mal die Welt zu erkunden ;) Ich hab damals auch ein halbes Jahr in Salamanca studiert und überleg ob ich nicht auch nochmal an eine kleine portugiesische uni gehe, daher wäre ja das wichtigste ob das Essen identisch ist ;). Ich war leider zuvor noch nie in Portugal, daher frag ich mal lieber leicht an. Gibt es sowas in etwa auch bei dir? Falls du ein paar andere Essenstipps hast, nur her damit ;) Lieben Gruß und weiterhin viel Spaß in den letzten Monaten, Susi

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  2. Identisch zu spanischem Essen? Sicherlich nicht. Klar, gibt's hier auch sehr viel frischen Fisch und sonstiges Meeresgetier, aber ansonsten viele Bohnengerichte (auch oft mit Koriander gewuerzt), viel Gegrilltes und Petiscos. Das ist unser Pendant zu den span. Tapas, aber eigentlich auch wieder gar nich zu vergleichen. Es sind eben kleinere Speissen, aber nich so huebsch hergerichtet wie Tapas. Und dann gibts natuerlich noch regionale Unterschiede. Im Norden muss man unbedingt Francesinha essen (n Art Mega-Sandwich mit Steak, viel Kaese und Tomatensossen uebergossen). Port. Essen ist alles bissl "grob", aber ich liebe es! :-)

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